Offener Brief an die BVII zum Text der Gedenktafel

4.9.2012
Offener Brief
Sehr geehrte Mitglieder der Bezirksvertretung,
sehr geehrter Herr Dr. Wisotzky,

wir, das Philipp Müller Bündnis Essen, begrüßen die Anbringung einer Mahntafel, die – 60 Jahre nach seiner Ermordung – an Philipp Müller erinnern soll.

Allerdings sind uns einige sachliche Fehler im Text aufgefallen und wir bitten darum diese zu korrigieren:

- Die sogenannte „Jugendkarawane“ hieß tatsächlich Jugendkarawane. Vgl. Aufruf letzter Absatz: „Wir rufen die westdeutsche Jugend auf, dieses Nein durch die Teilnahme an der Jugendkarawane nach Essen (Ruhr) am 11. Mai 1952 zum Ausdruck zu bringen.“

- Die Demonstration wurde nicht „wenige Tage zuvor“ verboten, sondern am Nachmittag des 10. 5. 1952. Das Verbotsschreiben wurde dem Veranstalter der Demonstration (Präsidium des westdeutschen Treffens der Jungen Generation) um 16 Uhr 15 am 10. Mai 1952 ausgehändigt (vgl. „Philipp Müller, Weltkreis Verlag S. 128).
Zu diesem Zeitpunkt waren viele Teilnehmer der Demonstration bereits auf dem Weg nach Essen.

- Es waren nicht „einige Tausend“ Jugendliche zur Demonstration nach Essen gekommen, sondern 30.000.
(FAZ, 13.5.1952 „Nach amtlichen Schätzungen waren rund 30.000 Demonstranten aus fast allen Teilen des Bundesgebiets nach Essen gekommen…“)

- Die Formulierung „schweren Auseinandersetzungen“ lässt die Interpretation zu, die Demonstranten hätten randaliert und die Auseinandersetzung mit der Polizei gesucht. Zeugenaussagen sprechen aber darin überein, dass die Jugendlichen friedlich von ihrem Recht auf Demonstrationsfreiheit Gebrauch machten. So erschien in der Zeitung „Unser Tag“ vom 5. 6. 1952 der Bericht eines Kölner Bereitschaftspolizisten:
„…Es steht völlig einwandfrei fest, dass nicht ein einziger Schuß seitens der Jugendlichen gefallen ist, sondern nach dem Kommando des Polizeioffiziers „Feuer frei!“ etwa 40 bis 50 Schuß in den Rücken der vor den Hunden und den angreifenden Polizisten Flüchtenden abgegeben wurden, von denen ein Schuß den Jugendlichen Philipp Müller traf. Ich habe den Jungen liegen sehen, er war von hinten erschossen.“

Der Text, wie er momentan für die Tafel vorgesehen ist, ist der Stadt Essen und damit der Bezirksvertretung nicht würdig.
Wir hätten von Herrn Dr. Wisotzky, Institutsleiter Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv und der Bezirksvertretung erwartet, dass die entsprechenden Quellen zu Rate gezogen werden und ein sachlich richtiger Text für die Tafel formuliert wird.
Wir hoffen, dass auch der Bezirksvertretung daran gelegen ist die Sachverhalte um den Tod Philipp Müllers auf einer Mahntafel korrekt darzustellen und sie den Text noch einmal überarbeiten lässt.

Philipp Müller Bündnis.

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